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Halverscheid
- Halverscetha
Ein Orts- und Familienname
Der 2 ½ Kilometer lange, steil zur Volme und Hälver
abfallende Bergrücken
„Halverscheid“ ist von Halver her gesehen (von wo
er seinen
Namen erhalten
haben wird) in der Tat
sehr markant.
Der Scheide-Charakter dürfte sich auf Hälver und
Volme
beziehen.
Das ist nach A. Jung die kurze und knappe Definition vom
Herrühren unseres
Familiennamens.
Schaut man sich den vorstehend abgebildeten
Kartenauszug an und
verfügt
zu dem noch über gute Ortskenntnisse, ist der Charakter
einer Wasserscheide
offensichtlich.
Der Halverscheider Bergrücken, der sich vom Sattel des
Ostendorfs (330 m NN)
über Halverscheid
(im Mittel 400 m NN) bis Schalksmühle (210 m NN)
verläuft,
scheidet alle Bachläufe die von Halver, Lingen, Carthausen,
Öckinghausen etc.
kommen und in die Hälver fließen, bis zum
Zusammenfluß von
Hälver und Volme
in Schalksmühle.
Auf den Punkt gebracht heißt das:
Halverscheid scheidet das Wasser, die
Hälver,
Halverscheid
ist eine
Wasserscheide.
Um solche Aussagen zu treffen, gehört sicher auch noch etwas
mehr dazu - als nur Ortskenntnisse.
In meinen nachfolgenden Auslassungen über die Entstehung
unseres Familien-
namens gehe ich tiefer in die Materie und berufe mich zum
Teil auf Aussagen
von
Archivaren, Namensforschern und auf Heimatforscher, die sich
mit der Namens-
gebung im Zusammenhang mit der altdeutschen Sprache und
ihren Orts- und topographischen Kenntnissen, wie ich meine, sicheres
Urteil
erlauben konnten.
Es sind dies:
Dresbach
„Chronik von Halver“
Schellewald
„Vorzeit Halvers“
Pälmer
„Das alte Halver“
A. Jung „Halver
und
Schalksmühle“
„Die Ort-, Flur- und
Gewässernamen des Amtes Halver“
HALVER ist das
Schlüsselwort;
die
Nachsilbe SCHEID für HALVERSCHEID, unserem
Familienname, die eigentliche Erkennungssilbe.
Will man eine plausible, fundierte Auslegung
unserer Namensbildung auf-
zeigen, muß man mit einer Erklärung für
Halver anfangen.
Bei Dresbach heißt es.
In den Urkunden aus der Zeit vor dem 15. Jahrhundert findet
sich für Halver die
Schreibweise Haluara, Halvara, Haluar, Haluere, Halvere und
Halffer; später
lautet der Ausdruck Halver.
Die Erklärung des Namens ist nicht leicht, die Meinung, der
Name komme daher,
dass der Ort die Hälfte des Weges zwischen den
größeren
umliegenden Ortschaf-
ten ausmache, muß auf alle Fälle
zurückgewiesen werden.
An anderer Stelle heißt es. „Vergleicht man halva,
Seite, so
kann Halv-ar Seiten-
bach, Grenzbach bezeichnen, Halv-ar-a Aue des Grenzbachs.
Wenn es auch bedenklich erscheint, einen Ortsnamen in seine
einzelne Laute zu
zerlegen, so trifft es doch insofern das Richtige, als er
auf den Hälverbach hin-
weist, der östlich vom Flecken Halver entspringt und in die
Volme mündet.
Es ist weit häufiger, dass ein Ort vom benachbarten Flusse
den Namen empfängt,
als dass das Umgekehrte eintritt.
Die Silbe/Wurzel halb, half oder halv weist jedenfalls auf
eine Hälfte, eine Abtei-
lung hin; im Niederdeutschen bedeutet halve die Hälfte,
halba (halva) kann alt-
hochdeutsch auch Seite (latus) heißen; daher der Ausdruck na
der halve gaen = an
der Seite, seitwärts gehen. Die Endung a (ach oder ahr) ist in mittel- und nieder-
deutschen Gegenden ein beliebter Auslauf bei Ortsnamen, die
an einen Fluß stoßen, ursprünglich
bedeutet a „fließendes Wasser“,
später wurde
der Begriff
auf die angrenzende Örtlichkeit ausgedehnt.
Demnach ist die Hälver (um 1100 Halvara) ein Bach (ar), der
ein Distrikt (a)
gleichsam halbiert und dem rechts und links sich erhebenden
und ausgedehnten
Seitengeländen den Namen gegeben hat; dies stimmt mit der
Örtlichkeit überein.
Die östliche Grenze dieses Distrikts heißt
folgerichtig Haluerscetha
= Halver-
scheid, im Westen bildet die
Ennepe die Grenze.
Schellewald schreibt:
„Was bedeutet nun der Name Halver? In den ältesten
Urkunden
heißt es
Halvara und Halvaru“.
Vergleicht man Halva, Seite, so kann Halv-ar Seitenbach,
Grenzbach bezeichnen,
Hav-ar-a Aue des Grenzbachs.
Eine einfachere Erklärung ist. Der Ortsname Halver kommt
ohne Zweifel von dem
Flussnamen Hälver, also Halvara, her. Sein erster
Bestandteil gothisch halba,
altnordisch halfa, altsächsisch halba (b an v anklingend,
welches in Urkunden oft
dafür gesetzt wird) ist gleich Seite und bedeutet in
Geländenamen die Seite, d. h.
den Abhang, die Halde eines Berges. Der zweite Bestandteil
ara ist ein Grundwort
für Fluß; es findet sich vielfach im
südlichen und
westlichen Sauerland z.B.
List-er, Reg-er, Wip-per und ist durch Abschleifung aus
arna, und dieses durch
Umstellung aus rana entstanden.
So heißt die Eder in der althochdeutschen Zeit A-arna und in
der ältesten Zeit bei
Tacitus
Ad-rana.
Halver heißt demnach Haldenfluß, und die alte
Bezeichnung
Halvara ist zu tren-
nen in Halv-ara, entstanden aus Halv-arna.
Halvaru ist der 3.
Fall Einzahl, die bei den Ortsnamen häufigen
Fällebildungen
sind durch den Wegfall eines ursprünglich davorstehenden
Verhältniswortes
(für, bei, unter, oben) zu erklären.
Derartige Fälle, in denen das Verhältniswort
geschwunden,
der 3. Fall aber noch
erkennbar ist, sind z.B. Strücken (unterm Strücken),
Stenkenberge = im steinigen
Berge, oben (daroben) zu Halverscheid.
Hiernach erklärt sich auch der Name Halverscheid
(Halverscehtha)
-scheid, scetha, das in zahlreichen
Ortsnamen des
Kreises Altena
wiederkehrt, heißt Höhe, Scheitel, Berggipfel,
Wasserscheide, und Halverscheid
somit Haldenflusshöhe.
Die natürliche Lage entspricht dem völlig; denn an
dem Fuße
des sich lang hin-
streckenden Bergrückens, der Volme und Hälver
scheidet,
fließt die letztere von
Carthausen an bis zu ihrer Mündung bei Schalksmühle.
Über die Zeit der ersten Ansiedlung der
Gegend gibt
uns der urkundliche Name
Halvara insofern Auskunft, als sie zweifellos in die
altgermanische Zeit gesetzt
werden kann.
Im Jahr 799 wurde von der Erzdiözese Köln das
Benediktinerkloster Werden
gegründet. Im ersten Register dieses Klosters, das bis zum
Ende des 9. Jahr-
hunderts zurückreicht (also 70-90 Jahre nach der
Klostergründung) wird Halver
(über Schöpplenberg) als abgabepflichtig an Werden
erwähnt.
Im ältesten Probsteiregister des Klosters Werden der Ruhr
(um 890), im Hebe-
register von Schöpplenberg, wird Halverscheid erstmals
erwähnt und damit
urkundlich gemacht.
Auf Grund der Nennung von Halver in den „Werdener
Urbaren“
sind sich
die vorgenannten Autoren in der Überlegung der Besiedlung
Halvers einig
und setzen die Zeit zwischen 800
und 900 an; und dass vielleicht schon um das
Jahr 800 die erste Kirche in Halver gegründet war.
Der Tatbestand der
Namensgleicheit des Schlüsselworts Halver bei Halverscheid
lässt die Annahmen zu, dass Halverscheid ebenfalls schon im
neunten Jahrhundert
existierte.
Nachsilbe „scheid“ bei Halverscheid, die
eigentliche Erkennungssilbe
Es wird gesagt:
dass scheid-Namen fast ohne Ausnahme an hohe Lagen gebunden
seien;
die scheid-Namen der alten Schicht, ca. 900 bis 1000 zu zu
ordnen seien und diese
Namen fränkischen Ursprungs wären;
an anderer Stelle heißt es, die scheid-Namen hätten
ihren
Ursprung am Ende der
ersten Rodungszeit, etwa 550 bis 900;
Schellewald schreibt: scheid-Namen und ohl-Namen
(Halverscheider Ohl), geben Hinweis, dass hier der Volksstamm der
Ampsivarier
(um 100 n. Chr.) angesiedelt
waren (gestützt auf römische Quellen);
A. Jung definiert: das gemeinsame Merkmal fast aller
scheid-Orte um Halver ist
ihre trennende Hochlage zwischen Bach- und Flussläufen,
deshalb vermute er, dass sie als Flurnamen spätestens bei der
Landname der
Sachsen (ca. 600?)
entstanden seien.
Ein Grund konnte auch sein, dass für die streifenden
Jäger
die Notwendigkeit
bestand, Geländeteile zu benennen und sie dadurch zu
unterscheiden.
Dafür kamen ganz besonders Gewässer und
Höhen in Frage.
Auffallend ist noch, dass alle scheid-Orte eine durchlaufende
Kette von SSW
nach NNO bilden und im Nordostteil der gemeine Halver
liegen.
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